Notes/Domino Anwendungsmodernisierung - just my 2cents

… jetzt aber schnell, bevor es zu spät ist …

Dies der klassische Slogan aus der Werbung, um Kunden zum Kauf ihrer Produkte zu verleiten. Bedeutet letztendlich: Wer jetzt nicht zugreift, geht evtl. leer aus ...  Genauso fühlt es sich gerade an, wenn man die Diskussionen rund um das Thema „Notes/Domino Anwendungsmodernisierung“ verfolgt. Es wird (leider wieder einmal) bei Notes/Domino-Kunden für Verwirrung gesorgt. Modernisierung wird hier im Allgemeinen immer mit „Browserfähigkeit“ der Domino Anwendungen, somit Ablösung des Notes Clients durch Browser, in Zusammenhang gebracht. Ist das aber wirklich immer modern? Für jeden Anwender? Ist modern auch gleich zwingend gut?

Wie ist Modernisierung eigentlich definiert?

Modernisierung (Deutsch)

Bedeutungen: [1] Aktion, um etwas auf einen neueren Stand zu bringen

(Quelle: Wiktionary, das freie Wörterbuch, https://de.wiktionary.org)

„Auf einen neueren Stand bringen“ heißt nicht automatisch auf den „neusten Stand bringen“, denn der ist auch sehr dynamisch. Auch ist jede Domino Infrastruktur unterschiedlich, auch vom Release-Stand. Somit ist „neuerer Stand“ ein sehr relativer Begriff und nicht zwingend für jeden gleich.

Was man im Hinterkopf behalten sollte

Bevor man nun also in blinden Aktionismus verfällt, hier ein paar Punkte, die man beherzigen aber zumindest mal im Hinterkopf haben sollte

Niemand ist gezwungen, in welcher Art und Weise auch immer, seine Domino-Anwendungen zu modernisieren. IBM hat ein klares Commitment zum Domino Server und auch zum Notes Client abgegeben. Die Plattform ist erstmal gesichert.

Schauen Sie, was Sie wirklich erreichen wollen oder müssen. Wenn zum Beispiel Ihre Vertriebsmitarbeiter mobil auf Adressen zugreifen sollen, muss nicht gleich Ihr ganzes CRM-System in den Browser wandern. Reicht es nicht vielleicht, den Kollegen eine auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Mobile-APP zur Verfügung zu stellen?

Sie sollen Betriebs- und Supportkosten senken? Dann machen doch Browseranwendungen Sinn, oder? Vielleicht auf den ersten Blick, aber Vorsicht vor den Browserabhängigkeiten einzelner Produkte. Funktioniert der Zugriff auf Ihr ERP System nur mit einem bestimmten Browser, der für andere Anwendungen nicht nutzbar ist, oder umgekehrt? Ruckzuck müssen Sie mehrere Browser ausrollen und auch supporten.

Die Akzeptanz soll erhöht werden …. Das hören wir auch immer wieder. Meiner Erfahrung nach sind diese Probleme selten in der Anwendung selbst oder deren Benutzeroberfläche begründet, sondern an mangelnden Einführungs- und Schulungskonzepten. Wenn einer nicht schwimmen kann, erstmal die Badehose wechseln…

Holt man sich neue Technologien ins Haus, sollte vorher klar sein, wer denn überhaupt die neuen und zukünftigen Anwendungen pflegen soll oder kann. Verfügen die eigenen IT-Mitarbeiter über diese Skills oder können schnell genug das Knowhow aufbauen?

Wie wichtig sind langfristige Beständigkeit und Rückwärtskompatibilität? Will man sich diesbezüglich wirklich aus der Domino-Komfort-Zone heraus bewegen?

Das nur einige wenige Punkte, die aber zeigen sollen, wie wichtig es ist, sich einfach einmal die Zeit zu nehmen und zu schauen, wo man aktuell steht, wo man hinmöchte, und was dafür der richtige Weg ist. Durchaus macht es Sinn, dies nicht alleine zu tun, sondern sich von dem Business Partner seines Vertrauens begleiten zu lassen.

Fazit:

  1. Ich MUSS nicht modernisieren.
  2. Neues ist nicht pauschal besser.
  3. Wenn ich modernisieren WILL: was brauche ich wirklich und wie krieg ich das hin?
  4. Webfähigkeit ist nicht pauschal kostengünstiger.
  5. Was genau macht Anwender unzufrieden?
  6. Wer im Hause kann überhaupt modern?
  7. Wer will Hase, wer Igel sein;-)
am 06 April 2017